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Zuhause gesucht

Hunde suchen ein Zuhause

Immer wieder kommen Hunde zu uns, die "schwierig" sind. Die, vereinfacht gesagt, in ihrer bisherigen Umgebung nicht klarkommen konnten, warum auch immer. Die Hintergründe sind oft eher unklar. Für diese Hunde suchen wir nach der Zeit, die sie eben brauchen, um alltagstauglich zu werden, DIE Lebensstellung, und wir helfen beim gegenseitigen Beschnüffeln nach Kräften. Unsere Hunde werden dann schon gelernt haben, mit den gängigen Alltagssituationen klarzukommen, von Autofahren bis Stadtlärm, vom Besuch im "Fressnapf" bis zur Pizzeria, von Fremdhundebegegnungen bis hin zu Katzen, Hühnern, Enten und Wild.



Und nun ein kleiner, allfälliger Diskurs zur Adoption:

Du willst einen Hund aus dem Tierschutz adoptieren?



Toll!  Wirklich!  Auch und gerade ein Second-Hand-Hund, womöglich mit unschöner Vergangenheit, braucht eine neue Chance!



Nun sollte man sich aber vorab auf ein paar Richtlinien für das neue Familienmitglied einigen, und zwar, indem man alle Familienmitglieder mit einbezieht.

Zunächst einmal: Zieh ihm das Etikett ab, wo drauf steht „Armer Hund“ und wirf es weg. Das ist kein armer Hund mehr! Er wohnt ja jetzt bald bei Dir, er ist definitiv kein "armer Hund" mehr!
 
Rutsche keinesfalls in die Schiene, von jetzt auf gleich den Hund für seine miese Vergangenheit zu entschädigen –  erstens kannst Du nichts für seine miese Vergangenheit, und zweitens muss das einfach schief gehen!



Klebe kurz vor Ankunft des Hundes auf Deine Eingangstür in Augenhöhe des Hundes ein Schild, wo draufsteht: „Lieber Hund, herzlich willkommen und ab hier gelten MEINE Regeln!




Wer meint, man müsse doch erst mal den Hund „ankommen lassen“, bastelt schon gleich an einem zukünftigen, definitiv hausgemachten und häufig irgendwann unlösbaren Problem. Ein Beispiel, was leicht nachvollziehbar sein dürfte: Wenn ich hier einem neuen Hund erst mal ein paar Tage lang gestatte, Hühner, Enten und Katzen zu jagen, brauche ich nach einer Woche nicht anfangen, ihm das tolle Hobby zu verbieten – denn dann habe ich weder Geflügel noch Katzen  mehr.



Hunde brauchen Regeln, sie SUCHEN Regeln  – warum nicht Deine?




Wenn Du nicht die Absicht hast, den Rest Deines Lebens ausschliesslich mit dem Hund im Bett zu liegen oder auf dem Sofa zu sitzen, dann sollte er auch nicht hinaufdürfen, und schon gar nicht gleich nach der Ankunft!.



Es gibt statusbewusste Hunde und es gibt solche, die nach Status streben. Es gibt natürlich auch welche, die hochzufrieden sind, unter dem Tisch liegen zu dürfen und gar nicht nach mehr verlangen, aber sie sind wohl eher selten.




Womit wir hier in unserem Mehrhunde-Haushalt gute Erfahrungen gemacht haben, ist z.B.  die Regel „Wer zofft, fliegt raus.“ Soll heissen, Klein-Jo ärgert Snooker, dann heisst es, Jo, hinaus, du kannst im Flur warten. Oder Sam fällt es nachts unter dem Hochbett ein, den Loki zu maßregeln, bis der um Hilfe schreit. Hier ist eine harte Strafe fällig: Sam muss raus aus dem Rudel und schläft als einziger im Flur. Das ist ihm sofort verständlich.  Man muss dazu auch gar nicht laut oder grob werden.

Unser Hunde-und-Menschen-Rudel steckt voller begehrenswerter Ressourcen. Schoß-Sitzen, an der Haustür zuerst rauslaufen dürfen, am Tisch Essen abholen, Drängeln beim Füttern, mitkommen zu den Schafen... Unsere Hunde sitzen auf einer Goldmine von wunderbaren Dingen, um die es sich durchaus zu kämpfen lohnt.

Goldene Regel: Gutes Benehmen wird belohnt. In der Praxis: Der kleine, bescheidene Loki, der beim Füttern überhaupt nicht drängelt, bekommt als erster seine Mahlzeit. Die wild kreischende Jo muss warten. Wenn sie sich dabei gut benimmt, belohne ich sie für gutes Benehmen - mit ihrer Mahlzeit. Wer an der Haustür als erster aufsteht, um hinausstürmen zu können, muss zurück und wieder ins Platz. Wer höflich wartet, bekommt als erster die Erlaubnis zum Aufstehen. Einfach, nicht? Theoretisch zumindest.



Wenn Du nun sagst  "Ich hab doch aber nur einen einzigen Hund" - macht nichts. Stell Dir nur vor, Du hättest vier! Ein Vergleich, der leicht nachzuvollziehen ist: Du hast ein Kind. Mit Deinem einen Kind besprichst Du vielleicht, was es zu Mittag gibt, und Du richtest Dich nach Deinem Kind. Warum auch nicht? Wenn Du aber vier hast, musst Du womöglich täglich vier verschiedene Menüs auf den Tisch bringen. Da streikt die liebevollste Mutter! Aber diese mehreren Kinder lernen eben auch, sich mal nach den anderen zu richten. Kann ja nicht verkehrt sein, das gelernt zu haben für den Rest des Lebens.




EIN Hund, der Dir in die Kniekehle brettert an der Haustür, der schmeisst Dich vielleicht, aber nur vielleicht  nicht um. Mehrere sind bedenklich...



Und noch etwas für wirklich jeden Hundehalter: Du öffnest die Autotüre. Dein Hund sagt "Cool" und springt rein. Du wolltest ihm aber eigentlich erst die Schlammpfoten abwischen. Also, öffne ruhig die Tür, aber sag ihm dann "Warte bitte" - Du kannst ihm das Einsteigen unmöglich machen, indem Du Dich ihm zugewandt vor die offene Tür stellst - etwa wie ein Torwart.  Erklär ihm, es ist DEIN Auto. Und putz ihm die Pfoten. Dann darf er einsteigen, hierzu gibst Du den Raum frei, gibst also Deine "Torwartposition" auf und trittst höflich beiseite. Für das Aussteigen ist das wohl noch wichtiger. Du musst anhalten an einer befahrenen Straße. Du machst die Tür für den Hund auf, er springt raus und läuft geradewegs auf die Fahrbahn. Muss ja nicht sein. Hast Du aber einen höflichen Hund, dann wartet er, bis Du ihn angeleint hast. Auch hier dieses "Warte bitte".




Wer am Tisch bettelt, wird an seinen Platz geschickt. Wenn er sich dort gut benimmt und ruhig wartet, kann er auch mal ein Stück Steak abkriegen – aber nur dann und nur an seinem Platz! Dann hat er es sich ehrlich verdient, und es bedeutet ihm viel mehr, als wenn er auf jedes „Ich will…“ wie ein quengelndes Kind sofort das Ersehnte bekommt.



Der Begriff „Frust-Toleranz“ umfasst so vieles, dass das ein ganzes Buch füllen könnte.




Wenn ein zweijähriges Kind an der Kasse im Laden brüllt, weil es keinen Lutscher bekommt, haken wir das als altersgemäß ab. Wenn das ein Zehnjähriger tut, muss man sich wundern – und wenn ein dreissigjähriger Mann diese Nummer abziehen sollte, klemme ich mir Einkäufe, Kind und Hund unter den Arm und stopfe alle schnell ins Auto.

Also - was Hundchen nicht lernt, lernt Hund nimmermehr - oder zumindest sehr viel mühsamer.



Lange Rede, kurzer Sinn: Das Schild an der Tür gilt, aber – Regeln darf man lockern. Irgendwann. Aber erst, wenn Dein neuer Hund, der dann nicht mehr so neu sein wird, seinen Platz als Rudelmitglied höflich und rücksichtsvoll innehat!




Noch ein kleiner Denkanstoß: Der hübsche, schnuckelige Hund drückt sich an mein Bein und will gestreichelt werden. Mit zu-Herzen-gehendem-Hundeblick. Nichts dagegen einzuwenden. Es tut ihm aber nicht weh, wenn ich ihm sage „Warte bitte“. Wartet er dann höflich ein paar Sekunden, dann kann ich ihn gern einladen zum streicheln – belohne ich doch damit seine Höflichkeit. Er verkraftet es, ehrlich! Und wenn nicht, ist sofortiges Streicheln auf seine Aufforderung hin das Letzte, was er braucht.

Hast Du aber einen Welpen, dann zieh doch das "Klein-süß-Etikett" ab und schreib lieber drauf "Zukünftiger Hund"... am besten lange, bevor das gute Stück in die Pubertätsphase rutscht...



 





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